In einer Feierstunde im Hamburger Michel brachte es Altbundeskanzler Helmut Schmidt, dem Schriftsteller jahrzehntelang als Freund und Seelenverwandter verbunden, in einer bewegenden Rede auf den Punkt: „Für Loki und mich war er ein Ombudsmann des menschlichen Anstands.“ (so das Hamburger Abendblatt vom 29.10.2014).
Viele von uns kennen Siegfried Lenz als Autor der Werke So zärtlich war Suleyken und Deutschstunde; viele haben sie schon als Schul-Lektüre gelesen und den einen oder anderen Aufsatz darüber geschrieben.

War Lenz Freimaurer? Nein, aber er war der Freimaurerei stets in Freundschaft verbunden. Anlässlich der Verleihung des Literaturpreises deutscher Frei­mau­rer umriss er dies selbst mit folgenden Worten:

„Die alten Symbole Winkelmaß, Wasserwaage und Senkblei zeugen von der Beharrlichkeit einer Hoffnung, die sich durch nichts widerlegt sehen will. Vor der etablierten Ungerechtigkeit nach Gerechtigkeit zu verlangen, in Zeiten der Ungleichheit Gleichheit zu fordern, angesichts tätiger Feindseligkeit geduldig zur Brüderlichkeit zu überreden.“

Überreden ist dabei kein Aufschwatzen, sondern ein Überzeugen im Gespräch, unterstützt durch das persönliche Beispiel. Gerechtigkeit, Gleichheit und Brüderlichkeit schaffen Zufriedenheit, ein gutes Gefühl.

Und „dieses Gefühl“, um das Abendblatt noch einmal zu zitieren, „schuf Trost an einem Tag, an dem Hamburg Trauer trug.“