Im seinem Beitrag Und deine kommenden Konturen dämmern für den Blog Die Freie Welt macht sich Johannes G. Klinkmüller Gedanken darüber, ob Rainer Maria Rilke, der große Dichter, ein Freimaurer war wie seine Künstlerkollegen Mozart, Lessing, Goethe und viele, viele andere.  Eingangs sei gleich gesagt, man weiß es nicht. Einiges spricht jedoch dafür.

So klagt Rilke beispielsweise darüber, dass unserer Gesellschaft ein wirkliches Ethos der Arbeit verloren gegangen sei. Das wird deutlich, wenn man seine Gedanken über Werkleute liest:

Werkleute sind wir: Knappen, Jünger, Meister,
und bauen dich, du hohes Mittelschiff.
Und manchmal kommt ein ernster Hergereister,
geht wie ein Glanz durch unsre hundert Geister
und zeigt uns zitternd einen neuen Griff.

Wir steigen in die wiegenden Gerüste,
in unsern Händen hängt der Hammer schwer,
bis eine Stunde uns die Stirnen küßte,
die strahlend und als ob sie alles wüßte
von dir kommt, wie der Wind vom Meer.

Dann ist ein Hallen von dem vielen Hämmern
und durch die Berge geht es Stoß um Stoß.
Erst wenn es dunkelt, lassen wir dich los:
Und deine kommenden Konturen dämmern.

Gott, du bist groß.

Klinkmüller raisonniert daraufhin -wie wir finden, folgerichtig- ob wohl die Reihung Knappen, Jünger, Meister zufällig oder bewusst an die drei Johannisgrade Lehrling, Geselle bzw. Meister erinnert. Er  kommt zu dem Ergebnis, dies sei „sicher kein Zufall, denn das sind zugleich wir in einem: Wir sind in unserem Leben, in unserer Entwicklung Knappen bzw. Lehrlinge, Jünger bzw. Gesellen, und wir sind auch irgendwann Meister, vielleicht nur später, als wir das denken.“

Fazit: Die Frage nach Rilkes Freimaurertum bleibt letztendlich unbeantwortet, aber freuen wir uns doch einfach, dass wir in seiner Poesie Gott und die maurerischen Grade des Lebens wiederfinden, und noch dazu so schön.