Amtsübergabe des Großmeisters der VGL, Konrad Merkel, an Richard Müller-Börner

Heute, liebe Leser, reisen wir mal nicht nach Australien, nach Washington oder in den Weltraum, sondern zurück in der Zeit.

Berlin im März 1961: Es herrscht Unruhe in der Stadt, besonders im sowjetisch besetzten Ost-Teil. Immer mehr junge, gut ausgebildete Leute verlassen die noch junge DDR in Richtung Bundesrepublik, um dem Sozialismus zu entgehen. Die DDR droht wirtschaftlich auszubluten. Es reift im Kabinett der SED der Entschluss, eine Mauer zu errichten, um den Abfluss an Arbeitskraft zu stoppen.

Im August 1961 wird die Mauer dann tatsächlich gebaut, und im September findet in Berlin der Konvent der Vereinigten Großlogen (VGL) von Deutschland statt. Der Bericht vom Konvent beschreibt jene Unruhe damals in der Stadt, die natürlich auch die Berliner Freimaurer traf.

Und noch etwas beunruhigte Teile der versammelten Bruderschaft, nämlich der eigene Entschluss, sich stärker zu öffnen.

Großmeister der VGL, und damit sozusagen ranghöchster deutscher Freimaurer, war 1961 Konrad Merkel, der im Rahmen des Konvents sein Amt an seinen Nachfolger übergab.

Aus seiner beeindruckenden Abschiedsrede möchten wir folgende Mahnung zitieren:

„Es war eine uralte Weisheit der Freimaurer in früheren Jahrhunderten, daß sie sich in die Bauhütten zurückzogen und […] nicht in die Öffentlichkeit traten. Wir haben mit diesem Grundsatz gebrochen. Das verpflichtet erst recht zu Sorgfalt […] aber auch dazu, das Niveau zu halten, die Würde zu wahren und in Rede und Gegenrede, in Schrift und Gespräch dessen eingedenk zu sein, daß wir unglaubwürdig werden, wenn wir die Weisheit der Alten vergessen.“

(Foto aus: Bericht vom Konvent 1961 in Berlin, Bauhüttenverlag GmbH, Frankfurt/Main. V.l.n.r.: F. Pinkerneil, R. Müller-Börner, W. Schulz, K. Merkel)